Stressmuster

sind lang gewohnte körperlichen Spannungsmuster und Körperhaltungen in Verbindung mit inneren Einstellungen und dem vorwiegenden Lebensgefühl. Etwas altmodisch klingt der mehr umfassende Begriff Charakter.

Körpertherapeutisch wahrgenommen: Was anfangs nützlich war zum Schutz  in der vorgefundenen Lebenssituation, wurde manchmal über Jahrzehnte vertraute „Selbstverständlichkeit“. Es kann früher oder später  unangenehm auffallen, hemmen oder stören, sogar krank machen. Kann körperorientiert gewinnbringend nachgebessert werden, meist ausgelöst durch herausfordernde Krisen und nicht ohne innere Entschiedenheit und Lust darauf.

  • Hast du zum Beispiel häufig das Gefühl eigentlich zu kurz zu kommen oder ganz einfach nie wirklich das zu bekommen, was du möchtest?
  • Findest du dich immer wieder als Opfer übler Umstände  oder als Loser, obwohl du  doch merkst, wo die anderen es nicht richtig machen?
  • Fühlst du dich ständig unter Druck, wie im Hamsterrad zu drehen oder in einer Falle zu stecken?
  • Hast du den Drang immer allen alles recht zu machen oder immer gefallen zu wollen?
  • Hast du die Neigung dich ständig zu überfordern oder dir nichts zuzutrauen?
  • Erlebst du chronisch Verdauungsbeschwerden, Schlafstörung, Erschöpfung, Asthma, mangelnde Konzentration, Kopfschmerz, Kreislaufbeschwerden, Frust,, unangenehme Leere –
  • vielleicht im Teufelskreis aus zu viel Anspannung und Angewohnheiten, die dem entgegen wirken sollen, auf die Dauer aber den Organismus einseitig belasten ? etc.

Veränderung

Stressmuster können überhaupt erst anfangen sich „befreiend“ zu lösen, wenn wir sie als solche wahrnehmen und anfangen ihre besonderen Eigenarten wahrzunehmen, ihren Sinn und Zweck mehr erkennen, ihre manchmal verblüffend einfache Entstehungsgeschichte.
Körperübungspraxis wie Yoga, Qi Gong oder gar Sport vermögen Stressmuster nicht unbedingt zuverlässig vorteilhaft zu verändern, weil man sie vielleicht nur überformt und sicherlich für geraume Zeit auch bestens kompensieren kann. Sobald sich das allerdings ungut anfühlt oder durch innere Widerstände der Antrieb für ausgleichende Bewegung verloren ging,  könnte es gewinnbringend sein, diese Unstimmigkeit eingehender zu berücksichtigen.

In der Zusammenarbeit

bemerkt man vielleicht eine hochgezogene Schulter und wird dem spürend nachgehen, oder es beginnt mit der Art der Fußstellung beim Auftreten, oder mit der Entfaltung einer winzigen Körperregung, einem kleinen ode auch großen Impuls und so weiter. Gewusst wie !
Das lernt man wohl nur durch Erfahrung in gemeinsamer Bezogenheit mit einem erfahrenen Anderen im geschützten Rahmen. Es geht überhaupt nur in vertrauensvoller Freundlichkeit, voller Wohlwollen und innerer Bereitschaft dafür, indem  Resonanz und Raum sich entfalten  –  als Unendlichkeit und ebenso als wohltuende Abgrenzung im Vergegenwärtigen eigener Begrenztheit. Daher entsteht Selbst-Sein, Ressourcen-Entdeckung und Neues.

Es entfaltet sich im zunehmenden Vertrauen in die subtil belebenden Wirkungen innerer Rhythmen und in eigenes Körpergespür. Es mag  durch Bereiche gehen, die du zunächst  verunsichernd und mit Scham besetzt erlebst, doch ermöglicht es wesentliche Gefühle, Selbstbilder und Bedürfnisse deutlicher einzubinden sowie eigene Beziehungen, Werte und Ziele. Es ermöglicht selbst aus dem Unklaren Sinn zu entdecken.

Erlebnishafte Vorgehensweisen

ermöglichen körperpsychodynamische Wirkungen, indem spontan nach außen drängenden Impulse klarer entfaltet  und integriert werden – motorisch, emotional und gedanklich, beziehungsweise diesseits und jenseits von Gedanken und inneren Bildern.
Innere Impulse werden nicht nur  „wahrnehmend durchatmet“ und beiseite gelassen oder gar  verleugnet und überlagert, wie in streng dogmatischen Auffassungen traditioneller Yoga-, Kampf- und Meditationspraxis, oder durch konventionelle Erziehungsmaßnahmen.
So wird das Gefühl innerer Sicherheit gefördert im Gespür für Flow, auch im (äußerlich) Ungewissen, das Gefühl für Wert, Originalität, Schönheit, für Maß, für zuversichtliche Haltungen auch aus der Erfahrung der Extreme. Negativ empfundene Seiten und Impulse dürfen deutlich spürbar zum Ausdruck kommen. Darin birgt sich erstaunliche Energie. Ressourcen werden entdeckt und nachhaltig nützlich. Statt tendenziell selbstzerstörerisch wirkt das dann eher belebend und kreativ weiterhin. Statt Erschöpfung und Krankheiten begünstigt es vorteilhafte Selbststeuerung der Gene * .

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Energie bezeichnet die spürbare Wechselwirkung von Köprer, Geist und Seele. Im  antiken Griechenland bedeutete energeia zugleich Wirken und Wirkendes.

* Joachim Bauer – Neurowissenschaftler und therapeutischer Arzt –
– Das kooperative Gen, Heyne, 2010
– Wie wir werden, was wir sind – Entstehung des Selbst durch Resonanz, Blessing, 2019