Reflexmuster

prägen sich frühzeitig subtil durch unwillkürlich gebremste Energie, sobald das Ausleben eines Impulses bzw. eigene Energie zurück gewiesen wird. Idealerweise bräuchte dieser Impuls  Resonanzraum,  sich regulierend entfalten zu dürfen in lebendiger Zirkulation zu ausgeglichener Homöostase. Das wurde – vielleicht idealisierend – von Wilhelm Reich aus den Beobachtungen sogenannter Naturvölker in ihrem Umgang miteinander und insbesondere mit ihren Säuglingen geschlussfolgert, wie es heute viele Mütter und Väter gerne zuwege bringen möchten soweit es geht.

Sich in tendenziell üblichen Reflexmustern durchs Leben zu bewegen mag sich lange Zeit beschützend und „normal“anfühlen, vielleicht fühlt man sich aber bisweilen „irgendwie verkehrt“. Damit können kompliziert empfundene Beziehungsstrukturen entstehen,  die Sehnsucht anders zu sein oder ein anderes Leben zu haben. Man mag dadurch früher oder später die eigene Erlebnisfähigkeit auf vielleicht leidvolle Weise eingeschränkt empfinden. Wünschenswerte oder gar notwendige Handlungsmöglichkeiten können beeinträchtigt sein. Es kann zu Krankheitsentstehung beitragen und zu unguten Teufelskreisen.

in dieser reichianisch inspirierten körpertherapeutischen Sichtweise entstehen solche Muster ansatzweise schon vorgeburtlich, insbesondere wird vor allem der Stressmodus der Mutter übernommen, ihre Rhythmen aus Spannung und Anspannung. Überdies wirken  Schreck oder Schock beziehungsweise Angst immer zunächst hemmend, seien sie noch so subtil.

Solange das Bedürfnis nach energetisch wohltuender Verarbeitung solchen Erlebens tieferer Homöstase nicht eingehend beachtet und befriedigt wird –  nur möglich in spürbar schützender Umgebung und Einbindung – werden diese „Schreckreflexmuster“ weiterhin fortgesetzt und im Lauf der Entwicklung  weiterhin vertieft und überformt, auch als Muster zu „ticken“, unwillkürliche Denk- und Verhaltensmuster. Über weiteste Strecken wirken diese Muster eingeschlossen als Körper- und Denkmuster bzw. Handlungsmuster, die man zunächst blindlings für selbstverständlich hält und für unentrinnbar normal. Sie verstärken sich erfahrungsgemäß bei übermäßigem Stress und können dann zum „Zusammenbruch“ führen.

Erst wenn du dich subjektiv unhaltbar beeinträchtigt fühlst und die Ahnung kommt, es könnte und müsste anders gehen, kommt dir vielleicht  Veränderungidurch Nacharbeiten wünschenswert vor. Der Drang danach scheitert dann hoffentlich nicht an dem Glauben an die Unmöglichkeit, weil du dich dann für komplett verkorkst hältst oder du fürchtest, die gewohnten „Comfortzonen“ aufgeben zu müssen und für kurz oder lang im Unbehagen zu landen, vielleicht noch mehr Kontrolle zu verlieren.

Möglich wird Veränderung schon durch winzige Schritte, aus meiner Erfahrung nur im wohlwollenden Umgang und in wertschätzender Anerkennung für den Schutz, den diese Muster unwillkürlich gaben zur Zeit ihrer Entstehung. Das ist erst einmal gar nicht unbedingt so einfach, macht dann aber viel aus.

In körperlicher Hinsicht gehören dazu  z. B. wiederkehrende Spannungsgefühle im Becken -, Bauch- oder Brustraum (kardiologische Untersuchungen sind unerlässlich), starke Spannung im Kopf, im Kieferbereich (trotz Beißschiene) oder in den Augen, das Gefühl, keinen guten Stand zu haben auf den eigenen Füßen, häufiges Festhalten oder permanentes Einschränken des Atems, festgehaltene  Schultern, ständiger „Buckel“ oder Beuge nach hinten aus dem Hohlkreuz, unklares Körpergefühl oder tendenzielle Taubheit in bestimmten Körperbereichen oder sich im eigenen Körper überhaupt nicht zu hause fühlen.. etc..

Auf der Verhaltensebene mag man sich z. B.  immer wieder als Opfer fühlen oder als fehlerhaft, man mag den Drang verspüren, sich immer durch besondere Leistungen hervortun zu müssen oder anderweitig seine Mitmenschen beeindrucken zu müssen, man mag sich im Wechselbad befinden von überlegener Grandiosität und scham- oder kummervoller Niedergeschlagenheit, suchtartig ausgeprägte Gewohnheiten und Abhängigkeiten zur genussvollen Belohnung  oder Beruhigung nicht aufgeben können, etc. Das kann sogenannt extremere und somit „krankhafte“ Züge annehmen, wie es im Register für mentale Krankheiten und Störungen gelistet ist.

Nacharbeiten durch körperorientierte Bezogenheit und wohltuende Resonanzwirkungen kann die Wirkung solcher Muster wohltuend kompensieren. Darüber hinaus erzählt allerdings nicht umsonst der Mythos von Phönix aus der Asche, dass Transformation wünschenswert sein könnte und zumindest tendenziell oder punktuell menschenmöglich.

Das geht nicht unbedingt von heute auf morgen, wird aber schon seit Jahrtausenden intuitiv in der Yogatradition und in verwandten jüngeren Traditionen der asiatischen Welt weiter verzweigt kultiviert – zur Selbstverwirklichung, Glückserfahrung und Besserung des Gemeinwohls. Körper(psycho)therapeutische Vorgehensweisen wurden als solche definiert erst in den letzten 100 Jahren entwickelt, zeitgleich mit unterschiedlichen Richtungen der Psychoanalyse und Tiefenpsychologie. Das intensivierte sich erst seit 50 Jahren. Dabei geht es um die Freisetzung eigener Energie, verbesserte Selbstregulierung und erweiternde Selbsterforschung (auf andere Arten wie im „Königsweg“ einiger Yogatraditionen). Es geht nicht primär um (körperorientierte) Sublimierung und „Kontrolle“ von Energie (wie in klösterlichen Yogaformen).

Himmelreich ist ein Zustand des Herzens. Friedrich Nietzsche