Energie

ist ein schillernder Begriff zwischen Naturwissenschaft und Erfahrung mit reichhaltigen Traditionen. Körpereigene Energie ist für Selbsterfahrung zunächst am interessantesten   –  als spürbares Wirken des Zusammenspiels von körperlichen, seelischen und geistigen Abläufen, auch im Austausch mit unterschiedlichen Dimensionen der Welt. Die Art energetischer Zirkulation ist abhängig von der Art innerer Rhythmen und eigener Stressmuster.

Poetischer als naturwissenschaftlich definierte Energie klingt die philosophische Bedeutung von „energeia“ im alten Griechenland: lebendige Wirklichkeit und Wirksamkeit. „dynamis“ bezeichnet ihr Vermögen. Solche Unermesslichkeit ist sicherlich nicht physikalisch präzise zu ergründen, nur in Teilbereichen, ebenso manche Auswirkungen durch aufwendige empirische Feldstudien.

Einfach und konkret

Jeder kennt mehr oder weniger bewusst, wie antreibende Erregung oder Beruhigung  unterschiedlichste Nuancierungen annehmen können, ebenso Zustände der Ausgleichung.
Die energetische Wirkung von Lebewesen und Dingen spüren wir als spezifische Ausstrahlung. Räume oder Landschaften spüren wir atmosphärisch. Medial vermittelte Eindrücke wirken immer irgendwie anders als unmittelbare Konfrontation in Situationen und mit anderen Wesen.
Schon durch Spuren der Interaktion entstehen energetische Felder, die sich als Resonanzräume wahrnehmen und sinnvoll nutzen lassen.

Eigene Energie

kann erfahrungsgemäß durch aktuelle Erlebnisse und ältere körperliche Spannungsmuster eingeschlossen und gestaut sein – durch Schreck oder Angst – als potentiell gehemmte Erregung, gehemmter Affekt und gehemmtes Gefühl, gehemmte Erinnerung, gehemmte Aktion. Das beeinträchtigt zugleich körperliche Haltungen und Denkmuster sowie Handlungsweisen und Lebensgefühl.
Wird  „Stau“von nervöser Energie oder angespannte Haltung nicht gründlich wieder aufgelöst, verändert sich bald schon das Gewebe. Z. B. sammeln sich winzige Mengen Flüssigkeit im Gesicht oder es „verfilzt“ das Bindegewebe und wird undurchlässig, Muskeln verhärten sich und ihre Gegenparts erschlaffen, Knochenhaut zieht sich schmerzhaft zusammen, Haut errötet oder ergraut und wirkt leblos. Mit der Zeit bilden sich Stressmuster heraus als tiefere Blockaden und Denkmuster.

Schmerz

Stockende Energie kann auch zum Schmerz werden. Schmerz ohne nachvollziehbare physische Veränderung wird in biodynamisch-psychologischer Sicht als Folge gestauter Energie wahrgenommen und erfahrungsgemäß gelindert oder gelöst. Auch bei physischer Beeinträchtigung schmerzhafter Bereiche vermag die energetische Sichtweise in gemeinsamer Resonanz meistens Linderung zu bahnen und begünstigt dann vorteilhafte Veränderung nachhaltig.

In unterschiedlichen Traditionen

wurde Energie-Wahrnehmung und -Regulierung als Erfahrungswissen eingehend kultiviert (Prana, Chi, Essenz). Die Schulen für Körperpsychotherapie aus dem letzten Jahrhundert basieren auf körper-energetischen Entdeckungen in der körperorientierten Arbeit von  Wilhelm Reich (Orgon).
Da gibt es natürlich einige Ähnlichkeiten und Überschneidungen: Neu und zentral an der reichianischen Körperarbeit ist die Entdeckung der spontanen Wellenbewegung während der Geburt und in orgiastischer Entladung. Diese Welle oder auch Schlangenbewegung wurde im orientalischen Bauchtanz einst zur Geburtsvorbereitung genutzt und zur tänzerischen Unterhaltung und Trance. Viele Yogaübungen kultivieren indirekt diese Art Flexibilität, wobei Beckenboden und Zwerchfell kraftvoll flexibel werden, besonders dann, wenn man es bewusst so beachtet. Dabei werden alle Körper-Segmente (W. Reich) und Chakren (Yogatraditionen) belebt, ebenso die  Meridiane (taoistische Gesundheitstradition).