Innere Rhythmen

wirken immer mit seelischen und geistigen Abläufen zusammen, in gegenseitiger Beeinträchtigung und Ermöglichung. Zentral sind unwillkürliche und willkürliche Vorgänge, ihre Art und Dynamik. Auf deren inneren Ausgleichung beruhen Wohlergehen und spontane Selbstheilungsvorgänge.
Diese biodynamisch psychologischen Rhythmen und Zyklen ermöglichen Leben und lebensnotwendige unwillkürliche Selbstregulierung. In ihrem übereinstimmenden Takt gewährleisten sie intaktes Selbsterleben, eigentlich das Gefühl innerer Sicherheit.

– Mit der Geburt beginnt das pulsierende Ein-Aus des Atems.
– Vorgeburtlich entsteht der unwillkürliche Takt des Herzschlags unter dem Herzen der Mutter.
– Mit der Nahrungsaufnahme durch den Mund entsteht der vollständige Zyklus der Verdauung.
Dazu gehört unbedingt die „Verdauung“ äußerer Eindrücke und inneren Erlebens, ermöglicht durch energetische Resonanz im Gehaltensein bei der Mutter oder bei jemand anderem.*

Inneres IN-TAKT-SEIN

ist störbar und das Gespür dafür sogar leicht mal untergraben durch besondere Belastungen oder unter unausweichlich starkem Leistungsdruck, in hektischen und komplex wirkenden Lebenszusammenhängen, wie es an vielen Orten längst als Norm gelten soll. Lang eingewöhnte einst schützende Stressmuster wirken dann vielleicht störend und reichen nicht mehr aus.
…  Bauchweh, Verdauungsstörungen, innere Unruhe, schlaflose Nächte, Herzbeschwerden, Atemnot oder Schlimmeres, können ausgelöst sein durch diffuse Unentschiedenheit zwischen notwendig empfundener Ruhephase und dem Druck zu weiterer Aktivität. Ohne weitere Unterstützung reicht da der sogenannt „freie Wille“  nicht mehr aus die innere Regulierung wieder zu finden. Nicht jeder möchte das mit Psychopharmaka kompensieren.

Willkürlich und unwillkürlich  – Exkursion zur Physiologie

Willentlich  können wir uns bewegen,  denken, Atem anhalten oder auch verändern.
Aber so unbewusst wie wir uns oft bewegen, unwillkürlich aufatmen oder durchatmen, so verengen wir unseren Atem oftmals  – nicht selten dauerhaft. Und das hat langfristig  unangenehme Folgen.

Lunge, Herz und Stoffwechsel-Verdauungsorgane funktionieren ganz und gar unwillkürlich. Ihre pulsierende zyklische Muskelaktivität wird mit den Drüsenfunktionen gesteuert vom autonomen Teil des peripheren Nervensystems. Das klappt nur im Takt seiner gegensätzlichen Funktionäre Sympathikus und Parasympathikus. Ihr Spannungsmuster wird schon vorgeburtlich geprägt und ist durch spätere Einflüsse meistens einseitig betont zugunsten  angespannter Hyperaktivität oder dem Gegenteil. Das beeinflusst charakteristisch die Art der Selbstregulierung  und den Umgang mit Herausforderungen.

Der Sympathikus

ist nützlich für lebensnotwendige Aktivität, zuständig für erhöhte Lungen- und Herzaktivität, neben der  Herabsetzung oder Stilllegung der Verdauungsaktivität.

Besonders bei starkem Stress und unter Angst wird das spürbar als Anspannung des gesamten Organismus, stärker im Schreck. Im Schock bleibt die Anspannung erst einmal festgefahren. Und mancher Schock oder auch fortgesetzt leiser Schrecken sitzt ein Leben lang angstvoll in den Gliedern als Reflexmuster und kann sich erst unter entsprechend hilfreichen Bedingungen mehr  lösen, oder auf gute Weise bedacht und ausgeglichen werden.

Der Parasympathikus

ist zuständig für Entspannung der Organmuskulatur, bzw. des gesamten Organismus, ermöglicht die biodynamisch zentrale Aktivität der Verdauung.

Verdaut werden erfahrungsgemäß unter ausreichend guten Bedingungen nicht nur Nahrungsstoffe, sondern  erlebte Eindrücke, äußere wie innere.
Verdauen bedeutet Lebensnotwendiges assimilieren und Unbrauchbares entgiften. Allerdings müssen viele Eindrücke bewusst und willentlich durchgekaut werden, damit sie verdaulich werden. Nicht selten wurde blindlings oder sehenden Auges geschluckt, was sich dann doch als unverdaulich erweist, bei näherem Hinsehen oder schon durch Vorzeichen, z.B.  immer wiederkehrende Übelkeit, Ekel, übermäßig negativ fixierte Selbst- oder Fremdwahrnehmung. Das lässt sich mit einiger Geduld wohltuend nachbessern.

 „Schützende“ Beschränkung  nützlich Nachbessern

Chronische Einschränkung innerer Rhythmen  beeinträchtigt ganze Körperbereiche in ihrer Flexibilität und Kraft – nachhaltig. Das betrifft muskulären Spannungsmuster und den Zustand der Bindegewebe und Atemmuster, auch die darin eingeschlossenen Eindrücke und deren unzureichende Verdauung.
Schreck, Schock, schwere Not und Angst bewirken das  – auch schleichend durch mechanisierte Abläufe. Daher resultieren einseitig Ego-kontrollierte Selbststeuerung oder ausweglos empfundene Deprimiertheit, vielleicht beides im Wechsel. Im Teufelskreis mit schlechten Gewohnheiten macht das krank.

Aus medizinischer Sicht entsteht das, wenn zu viele Stresshormone nicht transportiert und wieder abgebaut werden können. Aus ärztlich-körperpsychotherapeutischer Sicht entsteht das im Zuge chronisch  verspannter oder erschlaffter Muskeln und  schlecht belebter Bindegewebe – durch entsprechend einengendes Atemmuster und seelisch-geistig Unverdautes, bzw. durch einen Mangel an Resonanzfeldern, die das Verdauen-können begünstigen.
Solche Muster beginnen  in frühen Lebensphasen und bilden sich weiter aus, reflexartig zum Schutz oder durch Nachahmung in vorgefundenen Situationen, wenn sie zu defizitär erlebt wurden oder zu invasiv, vielleicht unerträglich konfliktreich. Das lässt sich allerdings mit einigem Gewinn nachbessern.

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  • Es geht um  Aufnehmen und Verdauen von Eindrücken wie von Nahrung,  Zyklen von Bedürfnis und Befriedigung oder Befriedung, von Verlangen und seinen Zielen, von Gelingen und Ausruhen, von Scheitern und den Arten des Umgangs damit – um Fatalisiertsein, Kämpfen, Verlieren, Sublimieren, Transzendenz, Immanenz. Aktivität und Passivität, Ausgreifen zur Welt und Rückzug, Wachheit und Traum, sind dabei zentral.
    Es geht im Lauf des Lebens um innere Vorgänge der Geschlechtlichkeit als sterbliches Sexualwesen, um Werden und Vergehen, um spüren, was bleibt.

Ausgleichung –  in alten  vorindustriellen asiatischen Traditionen kultivierte man das als ganzheitlich einfache Lebensweisen, spirituell körperorientiert im Verständnis von Yoga, Aryuveda, Tao, Zen.
Zyklen des Lebendigen wurden im alten China  im Verständnis von Yin und Yang kultiviert zur Gesundheitsfördernden Akupunkturbehandlung, in QiGong _Übungen und in der Kampfkunst Taichi: In ihrer innerer Abhängigkeit als gleichermaßen bewegte polare Kräfte nehmen sich  Yin und Yang gegenseitig ihren Rang weg, soweit man sie nicht in dynamischer Balance hält. So wird extreme Einseitigkeit schließlich entweder unheilvoll zur Sackgasse oder man ermöglicht entschieden  eine qualitativ neue  Entwicklung durch ausreichende Ausgleichung.
Taoistische Sichtweisen erscheinen zugunsten der Lebensqualität des Einzelnen tiefgründiger und sublimer als konfuzianische Tugend, die konventionell auf das Wohl des Staates bedacht war (vgl. Tao Te King und I Ging).